Notwendigkeit
Bei bestimmten industriellen Prozessen, wie der Zementherstellung oder der Müllverbrennung, entstehen CO₂-Emissionen, die technisch nicht vermeidbar sind. Damit dieses CO₂ nicht in die Atmosphäre gelangt, wird es abgeschieden. Anschließend wird es per Pipeline entweder zu Standorten transportiert, wo es als Rohstoff in der chemischen Industrie wiederverwendet wird (CCU), oder zu sicheren, geologischen Tiefenlagern gebracht, wo es dauerhaft gespeichert wird (CCS). Beides ist notwendig, um die Klimaziele zu erreichen und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu sichern.
Nein, absolut nicht. Die oberste Priorität haben immer die Vermeidung und die Reduktion von CO₂-Emissionen. Die CO₂-Infrastruktur ist ausschließlich als Lösung für jene Emissionen gedacht, die nachweislich „sehr schwer bzw. nicht vermeidbar“ sind.
Für kleine Mengen und kurze Strecken kann CO₂ per LKW oder Zug transportiert werden. Wenn es aber darum geht, die großen Mengen aus der Industrie über weite Strecken sicher, verlässlich und energieeffizient zu transportieren, ist die Pipeline die überlegene Lösung – genau wie bei Erdgas oder Wasser.
Sicherheit & Umwelt
Die Sicherheit unserer Infrastruktur hat höchste Priorität. Wie bei allen technischen Anlagen gibt es auch hier für den extrem unwahrscheinlichen Fall eines Lecks umfassende und bewährte Sicherheitskonzepte. Die Pipelines werden rund um die Uhr überwacht und sind, wie Erdgasleitungen, mit automatischen Absperrstationen ausgestattet. Diese isolieren im Störfall den betroffenen Abschnitt sofort und begrenzen einen möglichen Austritt auf eine sehr kleine, unkritische Menge.
Das Ziel des gesamten Prozesses ist ein positiver Nettoeffekt für die Umwelt, indem CO₂ aus der Atmosphäre ferngehalten wird. Wie bei jedem Infrastrukturprojekt gibt es lokale, temporäre Auswirkungen während des Baus. Diese werden durch sorgfältige Planung, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Ausgleichsmaßnahmen auf ein absolutes Minimum reduziert. Die langfristige Sicherheit der Speicherung im geologischen Untergrund wird durch strenge behördliche Auflagen und permanente Überwachung gewährleistet, um Risiken für das Grundwasser oder den Boden auszuschließen.
Kosten & Wirtschaftlichkeit
Der Aufbau einer CO₂-Infrastruktur erfordert hohe Anfangsinvestitionen. Langfristig ist es jedoch deutlich teurer, nichts zu tun – sei es durch die Kosten von Klimaschäden, den Verlust von Industriearbeitsplätzen oder Strafzahlungen bei Verfehlung der Klimaziele. Die Finanzierung wird voraussichtlich über ein solidarisches Modell erfolgen, bei dem die Kosten von den CO₂-Emittenten getragen werden, die das Netz nutzen. Damit dies wirtschaftlich tragfähig ist, braucht es jedoch staatliche Anschubfinanzierungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen, wie sie auch für den Aufbau der Strom- oder Wasserstoffnetze notwendig sind.
Details & Hintergründe
Die Forschung zur Wiederverwendung von CO₂ (CCU) macht große Fortschritte. Abgeschiedenes CO₂ ist ein wertvoller Rohstoff und kann bereits heute zur Herstellung von Kunststoffen, Baumaterialien oder synthetischen Kraftstoffen (Synfuels) genutzt werden. Diese Technologien sind ein Schlüssel für eine zukünftige Kreislaufwirtschaft, in der wir weniger fossile Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas benötigen. Viele dieser Verfahren sind jedoch noch in der Entwicklung und Skalierung, weshalb parallel auch die sichere Speicherung (CCS) eine wichtige Rolle spielt.
Eine Tonne gasförmiges CO₂ ist schwer vorstellbar, aber sie füllt ein Volumen von über 500 Kubikmetern – das entspricht in etwa dem Volumen eines Einfamilienhauses. Ein Standard-Güterwaggon könnte davon nur einen Bruchteil transportieren. Wenn wir über eine Million Tonnen CO₂ sprechen, entspricht das dem Volumen von einer Million Einfamilienhäusern. Um diese Menge mit LKW zu transportieren, wären rund 40.000 Fahrten nötig. Zum Vergleich: Die unvermeidbaren Emissionen allein aus der Zement- und Kalkindustrie sowie der Abfallverbrennung in ganz Deutschland summieren sich auf fast 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Allein im bayerischen Chemiedreieck gibt es unvermeidbare CO₂-Quellen im Bereich von mehreren hunderttausend Tonnen pro Jahr. Dies verdeutlicht, warum für diese industriellen Mengen eine Pipeline die einzig sinnvolle Transportlösung ist.